| Kampf der Stille |
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Sonntag, 23. Juni 2013
Mein Freund der Fernseher
nopersonality, 23:54h
Der Geschirrspüler plätschert. Mein Laptop surrt. Mein Herz klopft. Durch die dicken Fensterscheiben dringen Motorgeräusche der Autos, welche pausenlos auf der vielbefahrenen Strasse an meinem Haus vorbeirauschen. Ich schaue zum Fenster heraus. Dicke graue Wolken bedecken fast den gesamten Himmel. Nur an einer Stelle sind sie nicht: Im Westen. Da wo die Sonne langsam untergeht, spendet der rosarote Himmel Trost. Ein weisses Auto fährt gerade vorbei. Ich weiss nicht, wo es hin fährt. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, es fährt an einen besseren Ort.
Gerne würde ich drin sitzen, auf die Autobahn rasen und irgendwohin fahren. Ohne Ziel. Hauptsache unterwegs sein. Lieber sässe ich in einem Autobahn-Rasthof, als hier, auf dem Sofa in meiner Wohnung. Noch immer plätschert der Geschirrspüler. Tröstend. Es klingt als würde jemand duschen. Die Strassenlampen spenden oranges Licht. Es sieht schön aus. Links und rechts von der Strasse stehen Bäume. Der Wind lässt ihre Äste hin und her schaukeln, als würden sie mir zuwinken. Und diese drei speziellen Bäume... sie haben Gesichter. Ihr Blätterwek ist so arrangiert, dass sie alle drei Augen und einen Mund haben. Die Gesichter sehen nicht freundlich aus. Eher genervt. Unglücklich. Oder als ob sie über mich urteilen würden. Manchmal, wenn der Wind durch die Äste fährt, bewegen sich die Blätter so, dass das Gesicht freundlich wird. Dann lächeln sie mir zu und geben mir Mut. So alleine bin ich doch gar nicht! Eben habe ich eine Mücke eingefangen und sie zum Fenster raus gelassen. Ein Spatz flog in mein Küchenfenster und sass eine Weile lang verwirrt auf dem Sims. Ich hoffe, er hat sich nicht verletzt. Und diese Bäume! Ich werde sie vermissen, im Winter. Dann werden sie kein Gesicht mehr haben. Mein Freund, der Fernseher ist still. Heute Nachmittag hat er die Stille gebrochen und mich unterhalten. Doch jetzt hat er nichts Interessantes mehr zu sagen. Es ist ja auch schon spät, eigentlich könnte ich mich einfach schlafen legen. Die Tür zu meinem Schlafzimmer steht offen. Drinnen ist es dunkel. Die Decke liegt zerknüllt auf meinem Bett. Es sieht nicht einladend aus, auch wenn ich müde bin. Sobald mein Kopf das Kissen berührt, kommen die Tränen. Jede Nacht. Sie nässen mein Kissen und hinterlassen klebrige Spuren im Gesicht. Bis ich eingeschlafen bin. Manchmal setze ich mich im Bett auf und schaue noch einmal zum Fenster raus, zu den drei Bäumen. Namen haben sie noch keine. Normalerweise gebe ich Allem einen Namen, doch irgendetwas hält mich bei ihnen davon ab. Als würde die Magie verschwinden wenn sie einen Namen hätten. ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2013.08.22, 23:53 status
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